dhammapada reflections - deutsch


Die in diesen monatlichen Reflexionen im Englischen verwendeten Verse sind ‘A Dhammapada for Contemplation‘ (5th edition), Aruna Publications (2017) entnommen. Hierauf bezieht sich auch die deutsche Übersetzung. Für weitere Interpretationen schau bitte in anderen Übersetzungen nach.


VOLLMOND – Konsequenzen - 4. August 2020

Sogar denjenigen, die Böses tun,
kann Gutes zuteilwerden,
solange ihre Handlungen
noch keine Früchte getragen haben.
Wenn hingegen die Folgen
ihrer Handlungen heranreifen,
sind die schmerzhaften Konsequenzen nicht mehr abzuwenden.

Dhammapada, Vers 119

Wir möchten gerne glauben, dass wir davonkommen, wenn wir etwas Unrechtes tun, solange niemand davon erfährt. – Obwohl wir genau wissen, dass es falsch war. Für den Rest unseres Lebens müssen wir Tag und Nacht mit uns selbst auskommen. Wir müssen bereit sein, uns an jede absichtlich vollzogene Handlung zu erinnern. Sobald wir dies erkennen, werden wir hoffentlich zu schätzen wissen, dass es ein Zeichen von Weisheit ist, ausschließlich Dinge zu tun, an die wir uns später gerne erinnern. Wenn wir bereits Erinnerungen angesammelt haben, die wir bereuen, dann sollten wir Reue und Bedauern als Teil des Heilungsprozesses ansehen. Diese Art von Leiden ist eine Botschaft, die uns einlädt, das Leiden zu betrachten und es anzunehmen. So kann es uns lehren in Zukunft achtsamer zu sein.

Mit besten Wünschen,
Ajahn Munindo


VOLLMOND – Schau dir diese Welt an – Sonntag, den 5. Juli 2020

Komm, schau dir diese Welt an.
Betrachte sie als prunkvollen und festlichen Wagen.
Sieh, wie sich Narren verzücken lassen von dem, was sie sehen,
doch für die Weisen gibt es keine Anhaftung.

Dhammapada, Vers 171

Der Buddha ermutigt uns, die Welt, in der wir leben, anzuschauen und uns nicht von ihr täuschen zu lassen; ja, über das hinauszusehen, wie die Welt zu sein scheint. Wenn wir die zahlreichen Herausforderungen berücksichtigen, denen wir uns stellen müssen, ist es weise, nicht nur auf die Oberfläche von Erscheinungen zu schauen, sondern auch auf die Art und Weise, wie wir Dinge betrachten. Sicherlich ist ein Foto, auf dem ein sonniger Strand mit weißem Sand und Palmen zu sehen ist, ansprechend, aber wir sollten Moskitos und Quallen nicht außer Acht lassen. Solange unsere Achtsamkeit nicht geübt ist, wird unsere Wahrnehmung voreingenommen sein. Dann neigen wir dazu, nur das zu sehen, was wir sehen wollen und nicht das, was eigentlich da ist. Und erinnern wir uns daran, dass es einen Unterschied zwischen achtsamem Halten und Anhaftung gibt. Die Weisen sehen die Schönheit der Welt sehr wohl, aber weil sie nicht mehr anhaften, ruinieren sie sie nicht.

Mit besten Wünschen,
Ajahn Munindo


VOLLMOND - Nicht nach draußen gehen - Freitag, 5. Juni 2020

Nicht die Herkunft eines Menschen oder seine äußeren Merkmale verdienen Achtung,
sondern das Maß,
in dem er Reinheit und Wahrheit verwirklicht. 
 

Dhammapada, Vers 393

Wir messen äußeren Erscheinungen gerne großen Wert bei. Da das subjektive Erleben unserer Existenz jedoch innerer Natur ist, leben wir nicht in der Außenwelt, sondern „innen“ – also sollte die Betonung auf dem Inneren liegen. Besonders in dieser Zeit der Einschränkungen merken wir, wie schwierig es sein kann, nicht nach draußen gehen zu dürfen. Wie wäre es, wenn wir unsere Frustration als Ausdruck dessen sähen, was der Buddha „zwanghafte Ausflüsse“ nannte? Solange unserem Herz die Vorzüge des Zuhausebleibens nicht bewusst sind, wird unsere Aufmerksamkeit hinausfließen, ohne dass wir es mitbekommen, und visuellen Eindrücken, Geräuschen, Gerüchen und Geschmäckern folgen. So folgen wir dem Staub der Welt: Wenn wir uns blind von Sinnesobjekten verleiten lassen, werden wir schließlich Staub in den Augen haben. Die Weisen haben gelernt, dass man, wenn man zu Hause bleibt und als Gewahrsein verweilt, die Welt mit klarem Verständnis, Sensibilität und Mitgefühl sieht.

Mit besten Wünschen,
Ajahn Munindo


VOLLMOND - Nach Zufriedenheit streben (Dienstag, den 6. Mai 2020) – Vesakha Puja

Wenn wir anderen Lebewesen schaden,
die wie wir nach Zufriedenheit streben,
schaden wir uns selbst.
 

Dhammapada v. 131


Was gelebte Gewaltlosigkeit bedeutet, ist recht offensichtlich, wenn es um unseren Umgang mit anderen Lebewesen geht. Aber was bedeutet sie, wenn wir unseren Blick nach innen richten? Was bedeutet gelebte Gewaltlosigkeit im Zusammenhang mit den ‚Lebewesen‘, die unsere inneren Welten bewohnen? Wie beziehen wir uns auf sie? Wenn wir uns durch eine gedrückte Stimmung blockiert oder vollkommen überwältigt von negativen Emotionen fühlen – was noch schmerzlicher ist - können wir dann diesen „Lebewesen“ begegnen? Können wir sie so annehmen, wie sie wirklich sind und sie dadurch befreien? Oder bewerten, verurteilen und bekämpfen wir sie und vergrößern dadurch das Leiden noch? Alle Lebewesen, auch die unattraktiven, nicht willkommenen, die wir so lange weggeschlossen hatten, sehnen sich nach Befreiung. 

Mit den besten Wünschen,
Ajahn Munindo

VOLLMOND - Verzerrte Sichtweisen - 7. April 2020


Verzerrte Sichtweisen,
bei denen das Richtige als falsch
und das Falsche als richtig angesehen wird,
bewirken, dass Lebewesen leiden.

Dhammapada v. 318


Unsere Art, die Dinge zu sehen, bestimmt unsere Beziehung zu ihnen. Wenn wir zum Beispiel gerne in der Sonne liegen, verbringen wir möglicherweise viele Stunden damit, ihre Wärme in uns aufzunehmen. Wenn wir dann aber erfahren, dass mit exzessivem Sonnenbaden und übermäßiger UV-Strahlung ein erhöhtes Risiko einhergeht, an Hautkrebs zu erkranken, halten wir uns wahrscheinlich eher zurück – auch wenn uns der Gedanke an ein Sonnenbad immer noch verlockend erscheint. Wenn wir Groll hegen und ihn sogar als förderlich empfinden, neigen wir auf einer subtileren Ebene dazu, ihm anzuhaften. Vertiefen wir uns jedoch weiter in Buddhas Lehre über den Pfad der Achtsamkeit und erkennen dadurch, wie unser Verstricktsein in Groll zu Verwirrung und Niedergeschlagenheit führen kann, sind wir eher geneigt, unsere Negativität loszulassen. Dann werden wir im Loslassen vielleicht ein neues Maß an Zufriedenheit finden.

Mit den besten Wünschen,
Ajahn Munindo